Ruthenium-106 in der Luft in der Südschweiz und in Europa (Aktualisierung vom 9.10.17)

Die Überwachung der Radioaktivität in der Luft durch das BAG zeigt Spuren von Ruthenium-106 bei Cadenazzo im Tessin. Der zwischen dem 25.09. und 02.10.2017 eingesetzte Aerosolfilter ergab eine Konzentration von 50 micro-Bq/m3 Ruthenium-106 in der Aussenluft. Im Zeitraum vom 02.10. bis 03.10. ist der Wert auf 1’900 micro-Bq/m3 angestiegen. Die letzten Messwerte zeigen, dass die Konzentration von Ruthenium-106 seither wieder sinkt. Der zwischen dem 03.10. und dem 04.10. bestaubte Luftfilter zeigte noch 480 micro-Bq/m3, für die Zeit vom 4.10. bis. 5.10. betrug die Konzentration 470 micro-Bq/m3, vom 5.10. bis 6.10. noch 320 micro-Bq/m3. Seit dem 7.10. ist in der Luft im Tessin kein Ruthenium-106 mehr nachweisbar.

Der Höchstwert von 1’900 micro-Bq/m3 entspricht einem Wert, der 350-mal kleiner ist, als der für dieses Radionuklid in der Strahlenschutzverordnung festgelegte Immissionsgrenzwert in der Luft. Daher besteht für die Gesundheit der Bevölkerung kein Risiko. An den anderen Messorten in der Schweiz, auf der Alpennordseite gelegen, konnten für den ganzen Zeitraum kein Ruthenium-106 nachgewiesen werden. Zusätzlich zu den Luftproben hat das Kantonale Labor des Kantons Tessin am 4.10 Grasproben bei Cevio, Mezzovico und Prato Leventina genommen. Bei diesen Proben war Ruthenium-106 nicht nachweisbar. Das bedeutet auch, dass es zu keiner Kontamination von Lebensmitteln gekommen ist.

Ruthenium-106 wurde ebenfalls in mehreren Ländern im Osten und Süden Europas nachgewiesen (z.B. Tschechien, Österreich, Polen, Italien). In diesen Ländern lagen die Konzentrationen oftmals etwas höher als in der Schweiz – so wurden im Osten Österreichs bis zu 40‘000 micro-Bq/m3 festgestellt. Wie in der Schweiz sind die Konzentrationen überall am Sinken.

Die Ursache dieser Spuren von radioaktivem Ruthenium-106 in der Luft ist immer noch unbekannt. Berechnungen des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) und des französischen Strahlenschutzinstitutes (IRSN) weisen allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Ursprungsort im südlichen Ural hin. Andere Gebiete im südlichen Russland müssen jedoch auch in Betracht gezogen werden. Ein Unfall in einem Atomkraftwerk kann als Ursache ausgeschlossen werden, da ausschließlich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde. Obwohl von einer vergleichsweise hohen Abgabe von Radioaktivität ausgegangen werden muss, liegen zurzeit keine Informationen aus Russland vor. Auch die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA – welche über die Messwerte orientiert wurde – hat sich bisher nicht geäussert.

Ruthenium-106 (Ru-106) ist ein Radionuklid mit einer Halbwertszeit von 373.6 Tagen, welches zum Beispiel in der Medizin zur Strahlenbehandlung von Augentumoren verwendet wird. Eine weitere, seltenere Anwendung findet Ruthenium-106 in Radionuklidbatterien (Radioisotope thermoelectric generators“ RTG), die der Stromversorgung von Satelliten dienen.

Das BAG überwacht fortlaufend die Radioaktivität in der Luft (Spurenmessungen) und publiziert die Resultate auf www.radenviro.ch, sobald die Werte verfügbar sind.

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